Aufwind

Jeder hat die Chance zur Mitgestaltung einer Szene. Das kann zum Beispiel die HEMA (Historical European Martial Arts) Szene sein.

Vor etwa drei Jahren fing ich mit HEMA über den USI (Universitäts Sport Institut)- Anfängerkurs in Salzburg an und fühlte mich in der Community von Beginn an sehr wohl und willkommen. Es handelt sich ja noch um eine recht kleine, familiäre irgendwie eingeschworene Gemeinschaft. Vom ersten Tag an spürte ich den Spirit, dass jeder auf irgendeine Art seinen Platz hier findet, wenn er doch Spaß an der Bewegung, dem Sport, der Geselligkeit oder auch den Beside-Aktivitäten rund ums Mittelalter, LARP (Live Action Role Playing) oder ähnlichem hat. Damit soll sich dieser Artikel an JEDEN richten, der Lust darauf hat. In diesem Fall möchte ich aber speziell auch die Aufmerksamkeit der Frauen gewinnen.


Heute können wir unsere Welt gestalten, heute können wir unsere Welt verändern!

Persönlich habe ich einfach mal diesen Sport und die nette Gemeinschaft ohne spezielle Erwartungen auf mich wirken lassen, nur mit dem Wunsch, mal etwas Ausgefallenes zu versuchen. Relativ schnell merkte ich, dass ich mich einer Turniersituation stellen wollte, was mich natürlich – wie jeden- Überwindung gekostet hat. Es wurden dann mehr und mehr Turniere über die Zeit. Immer wieder ist mir aufgefallen, dass weniger Damen zu Turnieren antreten wollen, als im normalen Training teilnehmen. In meinem Verein, INDES Salzburg, hatte ich immer das Gefühl, dass die Geschlechterverteilung recht ausgeglichen sei. Immer wieder höre ich aber Klagen von anderen Vereinen, dass so wenige Frauen Interesse an HEMA zeigen oder auf längere Zeit im Training dabei bleiben. Auf die Fragen hin, was wir Damen uns wünschen würden, oder, warum wir bleiben und nicht zu anderen Sportarten wechseln, kenne ich gerade keine Antwort mit Worten. Vielleicht fehlen uns Frauen momentan noch mehr weibliche Mentoren, Vorbilder oder Trainerinnen?

Für mich gibt es aber eine mögliche Antwort auf die Frage mit Taten: Veranstaltungen zu bieten, wie bei uns in Salzburg das „INDES Ladies Weekend“, ein HEMA- Event nur für Damen. Ein Ort zum Austauschen, Networken, Spaß haben an Bewegung in einem recht intimen, familiären Rahmen. Dabei bietet das Wochenende Workshops in verschiedenen HEMA Disziplinen (unterschiedliche Waffen oder waffenlos) und Einheiten der Körperwahrnehmung von und für Frauen. Mittlerweile ist es eines der größten Damen- HEMA- Events in der Szene mit einer recht beständigen Zahl von 40 Teilnehmerinnen und wir werden auch immer internationaler. Viele Workshops werden auf Englisch gehalten, sodass im letzten Jahr sogar Damen aus 5 verschiedenen Ländern anreisten.

Von Anfängerin bis Fortgeschrittene, egal welchen Alters, jede Interessentin ist bei uns willkommen! Zusätzlich zum Sportprogramm ist auch immer ein tolles Abendprogramm geboten, für private Übernachtungsplätze ist für die Ladies von auswärts meist gesorgt, was auch unsere privaten Freundschaften stärkt und was ich sehr wertschätze! Ich halte es für ein besonderes Privileg, dass die Workshops auch alle von Frauen gehalten werden, dass wir viel voneinander lernen und profitieren können. Oft stoßen wir beim Austausch auf eine ähnliche Problematik in einem immer noch recht männerlastigen Kampfsport. Wir erarbeiten dann zusammen Lösungen und Strategien, die für uns funktionieren und profitieren dabei sowohl von der Erfahrung langjähriger Fechterinnen, als auch vom frischen Wind motivierter, junger Fechterinnen.

Gerade im letzten Jahr kamen viele Teilnehmerinnen aktiv auf mich zu und wünschten sich explizit mehr Plattform für Sparring auf dem Event. Wenn ich diese Tendenzen in meinem Umfeld in der Szene spüre, dann schlägt mein Kämpferherz höher. Genau das will ich mit meinen Taten für die Organisation des Events bieten! In Zukunft soll es immer Platz für Sparring geben und ein Turnier ist geplant, das komplett von und für Damen ausgerichtet wird. Dabei erhoffe ich mir, dass Turnier- Anfängerinnen die Chance haben, sich in einem reinen Damenturnier eher zuzutrauen mitzumachen und Erfahrungen zu sammeln.

Es weht ein frischer Wind durch die Szene. Ganz neue Damenevents werden gegründet, Workshops über das selbstbewusste Auftreten im Freikampf werden gehalten, mehr und mehr Kampfleiterinnen und Trainerinnen werden ausgebildet.
Mit dem Ladies Weekend möchte ich Frauen zum Kampfsport hinführen, möchte sie ermutigen, einen neuen Sport oder neue Waffen auszuprobieren, wenn sie möchten, sich auch einmal einer Turniersituation zu stellen. Allgemein finde ich aber, egal, ob klein oder groß, dick oder dünn, schnell oder langsam, muskulös oder grazil, JEDER findet hier seinen Platz. Damit möchte ich nicht nur zu den Frauen sprechen. Jeder kann Sieger sein, jeder kann sich selbst bei HEMA kennenlernen und erfahren.

Gestaltet heute eure Szene, gestaltet heute eure Welt!


Laura Öztümer organisiert seit 2017 das „Ladies Weekend“ . Außerdem ist sie Co-Trainerin beim HEMA Jugendtraining von Indes. Sie hat vor HEMA keinerlei Kampfsport betrieben aber eine Liebe zu Stahl gab es wohl immer- denn Laura hört Metal.

Editiert von Gerhild Grabitzer
Bild: (c) Klaus Huber

1 Kommentar zu „Aufwind

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