Dreynevent 2019: Anfängerglück

Der Fechtzwerg aus der Provinz kommt in die große Stadt, statt fünf, sechs trainieren hier über 200 Leute. Vier Hallen werden parallel mit Workshops und Sparrings bespielt: Was lasse ich da nur aus?

Mein Glück ist, dass ich nur langes Schwert lerne, sonst wäre es unmöglich, sich zu entscheiden. Trotzdem ist es schon schwierig genug, Zeit fürs Essen zwischen den Sparrings zu finden. 

Zwei Tage und einen Abend später habe ich drei Dinge gelernt: 

  • Erste Weisheit: FechterInnen sind Weltmeister des Understatements – wer als Einsteiger riesige Hinweisschilder oder Wegweiser erwartet, lernt schnell um: auch ein Kastenwagen in den Vereinsfarben des Veranstalters ist ein wertvoller Hinweis. Einmal drinnen, ist man aber auch fast schon Großfamilienmitglied. 
  • Zweite Weisheit: FechterInnen wollen lernen. Wer selbst unterrichtet, weiß um die Schwierigkeiten, die mit dem Unterrichten in großen Gruppen (und großen Räumen) verbunden sind. Hier merke ich nichts davon, Gruppen um die 50 (!)  Personen arbeiten perfekt zusammen, die TeilnehmerInnen sind diszipliniert und dabei richtig mit Spaß bei der Sache. 
  • Dritte Weisheit: Mit FechterInnen ist gut trinken (ja, und essen auch).

Und da war doch noch etwas: 

Die Workshops funktionieren. Ob phantasievolle Verbindung von Bildern aus Tolkiens „Hobbit“ mit Basistechniken am langen Schwert („There and back again“ mit Michel Rensen)  oder humorvolle Präzision in der Vermittlung des schnörkellosen Lichtenauer-Fechtens („Put this in there“ mit Cor Kronenburg): die Vortragenden brachten durchwegs durchdachte Konzepte mit, die sich ausnahmslos in der Praxis bewährten. Fast ebenso durchgängig der fein dosierte Aufbau der Übungen, beginnend mit einfachsten Basisbewegungen bis hin zu komplexen Abfolgen. Eine Ausnahme der besonderen Art bildete der Workshop von Dierk Hagedorn („The Long Sword in Cod. Wallerstein“), der sich beinahe philosophisch und sprachwissenschaftlich mit Problemen der Interpretation der schriftlichen und bildlichen Quellen am Beispiel des Codex Wallerstein beschäftigte. Im praktischen Versuch konnten wir erproben, wie unterschiedlich eine Darstellung mit dem dazugehörigen Text (8v) umsetzbar ist, welche Techniken zur dargestellten Situation führen, was sich in der Folge entwickelt…

Immer ist die Halle für das freie Sparring voll: langes Schwert, Schwert-Buckler, Rapier, Säbel, Dussack, langes Messer, halbe Stange, es geht rund. Nicht leicht, Platz zu finden und das Eine oder Andere aus den Workshops auszuprobieren. Und nicht leicht, sich am Ende zu verabschieden und ins Normale zurückzukehren.

geschrieben von Harald Meindl


Beitragsbild mit freundlicher Genehmigung von Stefan Feichtinger/ T.HEMA

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