Historisch fechten

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Krieger?

Wir sind weder Waffennarren noch Gewaltfetischisten, beides würde sich schlecht mit den Anforderungen des historischen Fechtens vertragen. Das Training einer historischen Kampfkunst hat mehr mit Körperbeherrschung, hochsensibler Wahrnehmung und gewissenhaftem Techniktraining zu tun als mit roher Kraft. Außerdem verlangt historisches Fechten ein hohes Maß an Fairness, da wir im Training und auch in freundschaftlichen Turnieren erhaltene Treffer selbst anzeigen. Mehr als die Gewalt interessiert uns die Wiederbelebung alter, teils lange verschollen geglaubter Techniken und der damit verbundene Spaß am Lernen und Üben in der Gruppe. Und da treffen sich Studentin und Bautechniker, Postbeamter und Legasthenietrainerin, Lehrer und Qualitätsmanager, Schülerin und Labortechniker. Manche haben schon Erfahrungen im Erlernen anderer, meist fernöstlicher Kampfkünste sammeln können, manche haben bei uns überhaupt erst so richtig mit Sport begonnen.

Kriegerinnen!

Schwertkampf in Graz auch für Frauen
Schwertkampf ist #frauensache

Es ist in der historischen Fechtszene nicht unüblich, Frauen im Training oder bei Wettkämpfen zu sehen. Tatsächlich sind in unserem Verein ca. 40% der Mitglieder Fechterinnen, damit liegen wir deutlich über dem österreichweiten Durchschnitt. Nur einige wenige Veranstaltungen im historischen Fechten werden ausschließlich für Frauen angeboten, die meisten Fechtschulen, Seminare und Turniere haben gemischtes Publikum.

Wie sieht ein Gefecht jetzt genau aus?

Wir erlernen im Techniktraining einzelne Angriffe (Oberhau, Twerhau, Schielhau, Krumphau…) und entsprechende Verteidigungen (Versatz, Kron, Zornhau, Absetzen…), die in den Fechtbüchern üblicherweise zu ganzen Abfolgen, zu Stücken zusammengefasst sind. Im freien Gefecht versuchen wir, diese Techniken anzuwenden und saubere Treffer zu landen bzw. so geschickt zu verteidigen, dass wir nicht getroffen werden und im Konter selbst einen Treffer setzen können. So klingt die Theorie. Das reale Gefecht dauert meist nur mehrere Sekunden (!), bis der erste Treffer gesetzt wurde. Wird in einem Turnier gefochten, geht ein Gefecht entweder über eine bestimmte Zeit (nach österreichischen Regeln meist drei Minuten) oder bis ein Teilnehmer fünf Treffer gesetzt hat. Im Unterschied zum modernen Sportfechten haben wir aber keine schmale Bahn zur Verfügung sondern ein annähernd quadratisches Kampffeld mit sechs bis acht Meter Seitenlänge. Ein weiterer nicht unwesentlicher Unterschied zum modernen Sportfechten ergibt sich aus der Tatsache, dass ursprünglich ungerüstet gefochten wurde, jeder Treffer also das Gefecht sofort beenden konnte.

Schwertkampf freies Gefecht
Langschwert in Action

Daher versuchen wir nicht nur, den ersten Treffer zu setzen, sondern selbst nicht getroffen zu werden. Es hätte wenig Sinn gehabt, ein Gefecht zwar gewonnen zu haben, aber einige Stunden nach dem Verlierer selbst an Blutvergiftung zu sterben. Daher verzichten wir in Turnieren auch auf Elektrowesten und lassen den Verlauf eines Gefechts von Schiedsrichtern überwachen. Wir teilen uns auch nicht in Gewichtsklassen oder Größen auf: auch in einem realen historischen Gefecht wurde nicht nach Zentimeter oder Kilogramm sortiert.

Ja, Corona.


Auch wir mussten lernen, mit den Regeln rund um die Bekämpfung der Pandemie zu leben. Zwischen März und Mai fand kein gemeinsames Training statt, seit Ende Juni trainieren wir wieder, in den ersten Einheiten mit gravierenden Einschränkungen, was die Auswahl der Techniken betraf (und mit dem langen Schwert glücklicherweise tatsächlich möglich ist), inzwischen setzen wir die Empfehlungen des Bundesministeriums für öffentlichen Dienst und Sport um und führen Anwesenheitslisten, um im Bedarfsfall rasch alle Trainierenden erreichen zu können. Ein Turnier, das wir im März gemeinsam mit INDES veranstalten wollten, werden wir nächstes Jahr schöner und besser über die Bühne bringen, als wir es heuer zustande gebracht hätten. Es hat sich gezeigt, dass alle Maßnahmen weder dem Spaß am Training noch dem Zusammenhalt des Vereins Schaden zufügen konnten, eine zutiefst beruhigende Erkenntnis.
Was fehlt noch? Das Bier. (Beziehungsweise das Mineral Zitron, der Radler, das Cola, der Kakao und die weiße Mischung.) Das gemeinsame Training wäre nicht vollständig ohne die

Nachbesprechung im „Bernsteiner“, bei dem der Flüssigkeitsverlust ausgeglichen wird, Pläne für den gemeinsamen Besuch von Fechtseminaren gewälzt, schöne alte Witze neu aufpoliert oder Geschichten aus der Arbeit erzählt werden.


HEMA wants You!!

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